Die Geschichte des heutigen Jugendblasorchesters Sebnitz e. V. reicht bis in das Jahr 1977 zurück. In diesem Jahr wurde in Sebnitz ein Pionierblasorchester gegründet, aus dem sich im Laufe der Jahre die organisierte Kinder- und Jugendblasorchesterarbeit der Stadt entwickelte. Zu den prägenden Persönlichkeiten der Anfangszeit gehörten insbesondere Eberhard Pfüller und Hermann Teßmer, die maßgeblich am Aufbau der musikalischen Nachwuchsarbeit beteiligt waren und damit den Grundstein für eine bis heute lebendige Blasmusiktradition in Sebnitz legten.
Die ersten Proben fanden im damaligen Jugendhaus Schollheim in Sebnitz statt. Viele der jungen Musiker begannen zunächst mit einfachen Übungen am Mundstück, bevor später Instrumente zur Verfügung standen. Der erste öffentliche Auftritt des Orchesters fand am 15. April 1978 zur Namensgebung der damaligen Ernst-Thälmann-Oberschule (heute Goethe-Gymnasium Sebnitz) statt. Bereits in den ersten Jahren entwickelte sich das Ensemble zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt.
In den folgenden Jahren nahm das Orchester regelmäßig an Leistungsvergleichen teil und erzielte dabei beachtliche Ergebnisse. 1980 erhielt das Orchester beim ersten Leistungsvergleich in der Grundstufe das Prädikat „Gut“. Gleichzeitig wurde dem Ensemble der Ehrenname „Fritz Weineck“ verliehen und der Titel „hervorragendes Volkskunstkollektiv“ überreicht. Weitere wichtige Stationen dieser Zeit waren die Einstufung in die Mittelstufe mit dem Prädikat „Gut“ im Jahr 1982, die Verleihung der Arthur-Becker-Medaille in Silber im Jahr 1987 sowie 1989 die höchste Qualifikation der Volkskunst mit der Oberstufe „Sehr Gut“.
Mit der Vereinsgründung im Jahr 1994 erhielt die musikalische Arbeit eine feste organisatorische Grundlage. Der Verein wurde damals unter dem Namen „Sebnitzer Kinder- und Jugendblasmusik e. V.“ gegründet. Ziel des Vereins war es, die musikalische Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker zu fördern und die Blasmusiktradition in Sebnitz weiterzuführen.
Ein Jahr später, 1995, übernahm Uwe Flaschel die musikalische Leitung des Orchesters. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Ensemble weiter und konnte erste überregionale Erfolge feiern. 1999 gewann das Orchester den ersten Platz beim offenen Wettbewerb zum Tag der Schuljugendbläser in Markneukirchen. Im selben Jahr begann außerdem eine Partnerschaft mit dem Knappenverein Altenberg e. V.. In dieser Zeit entstand auch der Klangkörper „Blasorchester Osterzgebirge“, der zusätzliche musikalische Projekte ermöglichte.
Im Jahr 2000 übernahm Thomas Köckritz die musikalische Leitung des Orchesters. Unter seiner Leitung nahm das Jugendblasorchester an zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen teil. Zu den besonderen Ereignissen dieser Zeit gehörten ein Auftritt als Jugendbergorchester bei der Bob-WM in Altenberg, die Teilnahme am Internationalen Blasmusikfestival Steti 2000, ein „Sehr Gut“ bei der Marschwertung des Landesblasmusikfestes in Oelsnitz/Erzgebirge sowie die Auszeichnung als „Bestes jüngstes Blasorchester“ beim Internationalen Blasmusikfestival in Děčín.
Weitere musikalische Erfolge folgten mit einem Prädikat „Sehr Gut“ beim Wertungsspiel in Spanien im Jahr 2001 sowie dem Prädikat „Ausgezeichnet“ beim Turnfest in Leipzig im Jahr 2002. 2003 nahm das Orchester an den Dresdner Musikfestspielen teil und gestaltete die Eröffnung des Tags der Sachsen in Sebnitz musikalisch mit.
Auch internationale Begegnungen und Konzertreisen prägten die Entwicklung des Orchesters. 2004 fand ein Probenlager in Südfrankreich statt. 2006 entstand eine Partnerschaft mit der Big-Band des Europagymnasiums Kerpen, aus der mehrere gemeinsame musikalische Projekte hervorgingen.
Im Jahr 2007 feierte das Orchester sein 30-jähriges Jubiläum und produzierte seine erste CD. 2008 wurde dem Verein beim Tag der Sachsen das „Vereinsgold Sachsens“ verliehen.
2014 übernahm Matthias Hauschild die musikalische Leitung des Orchesters. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Ensemble musikalisch weiter und konnte zahlreiche erfolgreiche Projekte realisieren. 2017 wurde Andreas Mai zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Im selben Jahr entstand im März die zweite CD des Orchesters, und im Mai wurde das 40-jährige Bestehen mit einer großen Festveranstaltung und dem 1. Ostsächsischen Orchestertreffen gefeiert. Im September 2017 erreichte das Orchester beim Wettbewerb „Krone der Sächsischen Blasmusik“ in Dresden den 2. Platz.
Auch internationale Begegnungen prägten diese Zeit. 2018 besuchte die Speelschare aus Diksmuide (Belgien) Sebnitz und gestaltete gemeinsam mit dem Orchester Konzerte in Lichtenhain, Rathen und Bad Schandau. Ebenfalls im Jahr 2018 unternahm das Orchester eine Konzertreise nach Monreal del Campo in Spanien. 2019 folgte eine Konzertreise auf die Insel Usedom mit Auftritten in Karlshagen, Zinnowitz und Ahlbeck.
Im Jahr 2018 wurde der Vereinsname offiziell geändert: Aus „Sebnitzer Kinder- und Jugendblasmusik e. V.“ wurde „Jugendblasorchester Sebnitz e. V.“. Der neue Name trägt der gewachsenen Struktur des Orchesters und seiner musikalischen Entwicklung Rechnung.
Die Jahre 2020 und 2021 waren durch die Corona-Pandemie geprägt, wodurch Proben und Auftritte nur eingeschränkt stattfinden konnten. Ab 2021 begann eine schrittweise Wiederaufnahme der Probenarbeit, und 2022 konnte das Jugendblasorchester seine reguläre Konzert- und Auftrittstätigkeit wieder vollständig aufnehmen.
Im Jahr 2023 wurde Matthias Hauschild nach neun Jahren als musikalischer Leiter verabschiedet. Seitdem liegt die musikalische Verantwortung im Verein auf mehrere Schultern verteilt. Sven Häntzschel übernahm 2023 die musikalische Leitung und das Dirigat des Jugendblasorchesters Sebnitz, während Saskia Kühnert die musikalische Leitung des Nachwuchsorchesters sowie der Grundschulbläser übernahm.
Sowohl Sven Häntzschel als auch Saskia Kühnert sind eng mit der Geschichte des Orchesters verbunden. Beide waren bereits in ihrer Jugend aktive Mitglieder im Jugendblasorchester Sebnitz und haben ihre musikalische Entwicklung im Verein begonnen. Sven Häntzschel war von 1995 bis 2013 selbst aktiver Musiker im Jugendblasorchester, bevor er später als musikalischer Leiter zurückkehrte. Saskia Kühnert hingegen blieb dem Verein nach ihrer aktiven Zeit ohne Unterbrechung verbunden und wechselte vom aktiven Orchestermitglied in die Vorstandsarbeit des Vereins.
Mit der Übernahme der musikalischen Leitung durch Sven Häntzschel wurde das musikalische Profil des Orchesters gezielt weiterentwickelt. Neben der Pflege der traditionellen Blasmusik wurde das Repertoire verstärkt um moderne Blasmusik, Pop- und Rockarrangements sowie Filmmusik erweitert. Damit präsentiert sich das Jugendblasorchester Sebnitz heute bewusst als junges und modernes Blasorchester.
Ein besonderer Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte sind die großen Filmmusik-Konzerte in Zusammenarbeit mit dem Theatre Libre Sebnitz. 2024 fand erstmals das Konzertprojekt „Filmmusik – Live Act in Concert“ in der Stadthalle Sebnitz statt. Aufgrund des großen Erfolges wurde das Projekt 2025 mit weiteren Konzerten fortgesetzt.
Ebenfalls 2025 wirkte das Jugendblasorchester beim Tag der Sachsen in Sebnitz mit. Das Orchester gestaltete die musikalische Eröffnung auf der Hauptbühne und nahm mit moderner Blasmusik am großen Festumzug teil.
Die organisatorische Entwicklung des Vereins wurde über viele Jahre hinweg durch engagierte Vorstandsarbeit geprägt. 2017 wurde Andreas Mai zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. 2026 wurde Saskia Kühnert zur neuen Vorsitzenden des Jugendblasorchesters Sebnitz e. V. gewählt und übernahm gemeinsam mit einem neu aufgestellten Vorstand die Leitung des Vereins.
Heute steht das Jugendblasorchester Sebnitz e. V. für eine lebendige Verbindung aus Tradition, intensiver Nachwuchsarbeit und moderner Blasmusik. Seit der Gründung im Jahr 1977 haben zahlreiche junge Musikerinnen und Musiker im Orchester ihre musikalische Heimat gefunden. Mit Konzerten, Projekten und musikalischen Auftritten prägt das Jugendblasorchester bis heute das kulturelle Leben der Stadt Sebnitz und der Region Sächsische Schweiz.
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